Wir trauern um Horst Radtke †
15.09.2017 Category: Intern

Wir trauern um Horst Radtke †

Ein Leben für soziale Gerechtigkeit


Ein Bild aus Gründungszeiten des VKJ 1970. Foto: VKJ

Horst Radtke (* 11. Oktober 1941 † 15. September 2017)

Horst Radtke war ein Kämpfer. Bis zum letzten Atemzug. Gezeichnet von seiner schweren Krankheit traf er im Hospiz Steele in den vergangenen Wochen noch viele ehemalige Wegbegleiter und diskutierte angeregt über die soziale Ungerechtigkeit und gab so manchem Besucher noch einige Denkanstöße mit auf den Weg. Am frühen Freitagmorgen ist Radtke im Alter von 75 Jahren verstorben.

Der VKJ, Verein für Kinder- und Jugendarbeit in sozialen Brennpunkten Ruhrgebiet e.V., hat mit seinem Gründungsvater und ersten Vorsitzenden der Vereinsgeschichte am Freitag nicht nur ein Vereinsmitglied, sondern einen Wegbegleiter und Ideengeber verloren.

Radtkes Leben war geprägt von sozialem Engagement für die Schwächsten der Gesellschaft. Stets stand für ihn der Mensch im Mittelpunkt. Für den engagierten Sozialarbeiter, der eigentlich Ingenieur im Maschinenbau werden wollte, gab es niemals Fälle, denen man helfen musste, sondern er sah die Menschen mit ihren Problemen stets als Individuen, deren Lebensumstände es gerechter zu gestalten galt.

Dass er Sozialarbeiter wurde, hat maßgeblich zum nun fast fünf Jahrzehnte erfolgreichen Wirken des VKJs beigetragen. "Bei einem Treffen unserer Gründungsväter Anfang des Jahres sagte Horst Radtke, er habe es nie bereut, diesen Weg gegangen zu sein. Der VKJ ist seinem ehemaligen ersten Vorsitzenden dankbar für viele Ideen und die Wege, die er uns auch politisch geebnet hat. Wir verlieren mit ihm einen engen Wegbegleiter, der uns auch lange nach seiner aktiven Vorstandszeit gerne mit seinem fachlichen Rat und bei der Verwirklichung von Projekten unterstützt hat", so Vera Luber, Geschäftsführerin des VKJ. Horst Radtke war von 1970 bis 1980 der erste Vorsitzende des VKJ, den er 1970 mit vielen Mitstreitern der "Falken" gründete.

Sein ganzes Leben lang war Horst Radtke im sozialen Bereich tätig, kam 1967 über die ehrenamtliche Mitarbeit bei den Essener Falken in die damaligen Obdachlosensiedlungen. Für die Bewohner der Siedlungen entwickelte er Hilfsangebote. Im Vordergrund stand dabei stets das Ziel, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten und vor allem die Kinder zu fördern, um ihnen eine Zukunft mit Chancengleichheit zu ermöglichen, in der ihre Herkunft keine Rolle spielt. "Horst Radtke hat dem VKJ von Anfang an auch eine politische Stimme gegeben", unterstreicht Frank Müller, der heutige 1. Vorsitzende des VKJ. "Als Horst Radtke nach zehn Jahren 1980 sein Amt als 1. Vorsitzender aufgab, war klar, dass der VKJ längerfristig Bestand haben musste, um die Menschen dauerhaft zu begleiten und die alltäglich auftauchenden Probleme mit Fachleuten anzugehen. Dadurch wurde der Weg für unsere heutige Arbeit im frühkindlichen Bereich geebnet." 

Während er die höhere Fachschule für Sozialarbeit besuchte, absolvierte er sein obligatorisches Praktikum 1966 bei der AWO, wo er vorher schon seit 1964 als Erzieher gearbeitet hatte. Das Engagement für den großen Sozialverband sollte sein Leben prägen. Die Verbindung zur Essener Arbeiterwohlfahrt erlebte Höhen und Tiefen, riss aber von Seiten Horst Radtkes nie ab.  Das Prinzip, schwachen Menschen mit vollem Einsatz ehrenamtlich und direkt zu helfen, galt für Radtke auch nach der Zeit als VKJ-Vorsitzender. Er blieb der praktischen Arbeit mit den Menschen stets treu, kümmerte sich um Einzelfälle und war stets in den Obdachlosen-Unterkünften präsent. Sein ehrenamtliches und praktisches Engagement für Obdachlose und deren Kinder erlahmte auch nicht, als er 1972 zunächst stellvertretender und ab 1974 bis zum Jahr 1999 Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt Essen war.