So geht effektive Sprachförderung!
15.05.2015 Category: Intern, Veranstaltungen

So geht effektive Sprachförderung!

Krayer VKJ-Familienzentrum Kinderhaus SimSalaGrim: Erzieher zertifiziert!


Geschafft! Das Team vom VKJ-Familienzentrum Kinderhaus SimSalaGrim hat die Language Route-Zertifikate erworben.

„Hörst du die Regenwürmer husten…“, schallt es aus mehr als 20 Kinderkehlen. Mit viel Bewegung lassen die Kinder vom VKJ-Familienzentrum SimSalaGrim, Grimbergstraße 30, die Regenwürmer aus ihrem Lied sichtbar werden. Gesungen wird hier viel im Kita-Alltag, denn die Sprachentwicklung jedes Einzelnen soll kontinuierlich und nicht nur phasenweise gefördert werden. Damit das gelingt ist dem Träger der Einrichtung, dem VKJ, Verein für Kinder- und Jugendarbeit in sozialen Brennpunkten Ruhrgebiet e.V., nichts zu teuer. Regelmäßige Weiterbildungen werden jedem Mitarbeiter finanziert und Projekte, die dauerhaft in den Alltag integriert werden können, sind seit Jahrzehnten fester Bestandteil des VKJ-Konzepts.

Jetzt ist es soweit: Seit über vier Jahren wird das Team des VKJ-Familienzentrums Kinderhaus SimSalaGrim im Rahmen des Modellprojektes „Efa – Essen fit und aktiv“, das 2011 in Kooperation mit „clever - essen in bewegung“ als Modellprojekt gestartet wurde, fortgebildet. Der Ansatz: Ernährung, Sprache und Bewegung gehören fest zusammen. Kinder entwickeln sich nur gesund, wenn man bereits sehr früh das Ernährungs-, Bewegungs- und Sprachverhalten prägt und zwar ohne Verbote und Verzichtsappelle. Natürlich müssen auch die Bezugspersonen eingebunden werden.

Regelmäßig werden die VKJ-Mitarbeiter in allen 17 Einrichtungen des Vereins dazu fortgebildet und geben ihr Wissen in regelmäßig stattfindenden Elternnachmittagen oder –abenden an die Bezugspersonen der Kinder weiter. Das Konzept kommt bei Groß und Klein an und die Erfolge sind schnell sichtbar. „Man merkt sofort, wo intensiv mit den Kindern gearbeitet wird“, lobt VKJ-Geschäftsführer Oliver Kern. „Die Kinder werden intensiv begleitet und für die Kollegen sind die Methoden eigentlich keine Mehrarbeit.“ Das kann auch Efa-Sprachtrainerin Birgit Pein, die das SimSalaGrim-Team geschult hat, nur unterstreichen. „Ich merke oft, dass die Termine erstmal als großer Aufwand angesehen werden, dann aber schnell gemerkt wird, dass zum Beispiel das Konzept der ‚Language Route’, die alltagsintegrierte Sprachbildung, keine Mehrarbeit ist, sondern nur bündelt, was man oft unterbewusst ohnehin schon macht.“

Den Baustein-Sprache haben im Rahmen von „Efa – Essen fit und aktiv“ nun alle Teammitglieder des SimSalaGrim durchlaufen und bekamen jetzt ihre Zertifikate. Ein Meilenstein, auch in der VKJ-Geschichte, denn das Krayer Familienzentrum ist das erste VKJ-Kinderhaus, in dem alle Mitarbeiter die Fortbildung erfolgreich absolviert haben.

Was ist die „Language Route“? Seit Jahren steht die Sprachentwicklung von Kindern im Fokus. „Seit den Delfin 4-Tests gibt es spezielle Förderungen. Meistens sollen Kindern dann die Gruppen verlassen, in Kleingruppen gefördert werden. Die alltagsintegrierte Sprachbildung ist da viel praktischer, denn Kinder, die noch nicht ganz so fit im Sprechen sind, werden so täglich intensiv begleitet“, erklärt Birgit Pein. „Die Language Route erfindet dabei nichts neu, sondern legt den Fokus auf die einfache Umsetzung im Alltag.“

Deshalb gehören schon seit 2012 Erzählwand und –tisch fest zum „SimSalaGrim“. Jede der drei Gruppen hat regelmäßig ein bestimmtes Gruppenthema, das erarbeitet wird. „Im Rahmen der Language Route haben wir gelernt, wie wir Bilderbücher für diese Themen nutzen können“, beschreibt Rosa Hermann, Erzieherin und stellvertretende Kinderhaus-Leiterin, wie sich das Konzept in der Praxis darstellt. Aktuell dreht sich in ihrer Gruppe alles ums Thema Zähne. „Leo Löwenzahn“ heißt das Buch, das täglich genutzt wird. „Wir schauen uns die Bilder an, lesen vor oder erzählen Geschichten zum Bild“, erläutert Rosa Hermann. Das Buch ist für die Kids ein ständiger Begleiter für zwei bis drei Wochen. Genauso wie der Erzähltisch. Er wird mit dem Gruppenthema präsentiert. „Die Erzieher müssen sich vorab bis zu 20 Wörter ausdenken, die mit dem Thema erarbeitet werden sollen. Dabei ist es wichtig, dass nicht nur Nomen genutzt werden, sondern auch Verben, Adjektive oder Redewendungen“, beschreibt Birgit Pein. Alle gefundenen Kernwörter müssen durch Gegenstände dargestellt sein, die dann auf den Erzähltisch kommen. „Die Kinder nutzen den Tisch sehr gerne und intensiv. Und sogar die Kleinsten nutzen die Gegenstände! Wir haben einen Zweijährigen, der derzeit ständig einen kleinen Koffer und Hut vom Erzähltisch mitnimmt und den anderen Kindern zeigt und Fragen dazu stellt. So beschäftigen sie sich immer wieder mit dem Thema. Aber das Wichtigste ist: Sie sprechen!“, lacht Rosa Hermann, die zugibt, dass ihr die Fortbildung persönlich viel gebracht hat. „Man lernt auch, viele offene Fragen zu stellen, damit man immer wieder ins Gespräch kommt. Das wende ich mittlerweile überall an, egal ob Klein oder Groß“, lacht sie.

Im Gegensatz zum Erzähltisch ist die Erzählwand nicht von Beginn an da. Täglich wird mit den Kindern während der Themenwochen gebastelt, gekocht, gebacken oder gemalt. „Einige der Erzeugnisse oder Fotos der Aktion kommen an die Erzählwand“, beschreibt Birgit Pein. Diese Wand wird dann auch intensiv genutzt, um sich immer wieder an die Buchgeschichte zu erinnern. „Es ist ganz toll zu beobachten, welche Anreize den Kindern reichen, um die Geschichte immer wieder zu erzählen“, sagt Rosa Hermann. Vor allem die Erzählwand hat auch eine Vermittlerrolle, denn die Kinder nutzen sie, um den Eltern zu zeigen, was sie gemacht haben. „Es muss natürlich auch immer etwas von den Themen in die Familien überschwappen“, unterstreicht Birgit Pein. „Eltern müssen eben auch viel mit ihren Kindern sprechen und vor allem mit fortschreitendem Alter im Gespräch bleiben.“

Dass das Konzept aufgeht, merken die Erzieher bereits. „Heute kam ein Junge mit ganz viel Löwenzahn, weil es im Buch auch um die Pflanze geht. Bei einem anderen Thema ging es um Raupen und ein Mädchen hatte eine im Garten gefunden und die Eltern haben das fotografiert und das Foto kam an unsere Erzählwand“, erinnert sich Rosa Hermann. Das ermögliche dann auch wieder neue Möglichkeiten. „Alle, die sich heute für den Löwenzahn interessiert haben, haben sich zu einer kleinen, altersgemischten Gruppe zusammengetan und wir haben ein bisschen Pflanzenkunde gemacht. So können wir Themen dann auch nach Bedarf ausweiten. Wichtig ist immer, dass die Kinder an allem viel Spaß haben.“

Wichtig sei am Ende jeder Themenphase einfach, dass die Kinder ihren Wortschatz um die Begriffe vom Erzähltisch erweitert haben.

Geschäftsführer Oliver Kern ist vom Konzept überzeugt und unterstreicht abschließend: „Wir nehmen jedes Jahr viel Geld in die Hand für die Weiterbildung unserer Mitarbeiter. Wenn die Kinder dann offen auf Gäste zulaufen und Gespräche anfangen, zeigt das deutlich, dass das Geld bestens investiert ist und unsere Mitarbeiter hier einfach einen tollen Job machen. Darauf bin ich sehr stolz!“